Heute geht es für mich in das Kinderhaus Wölkchen, das ich nun seit einem halben Jahr von Montag bis Freitag für circa sieben Stunden am Tag besuche.
Um ehrlich zu sein, fällt es mir manchmal morgens noch etwas schwer, mich von meiner Mama oder meinem Papa zu trennen – aber das doch normal, weil es bei ihnen einfach am schönsten ist und ich es bislang auch nicht kannte so lange von ihnen getrennt in einer anderen Umgebung außer unserem zu Hause zu sein.
Ich komme in einem der Krippenräume an, in dem bereits einige Kinder mit oder ohne Erzieherin spielen, sich Bücher anschauen oder mich schon an der Tür in Empfang nehmen. Auch die Erzieherin begrüßt mich wärmstens und ich verabschiede mich von Mama/ Papa.
Ich werde nicht nur von den Kindern aus meiner Gruppe – den orangenen Wölkchen – sondern auch von den Kindern der türkisenen Wölkchen wahrgenommen. Manchmal freuen sich alle so sehr, dass ich da bin, dass ich nicht weiß, wohin mit mir und ich die Sicherheit der Erzieherin suche, um dort in Ruhe anzukommen. Wenn sie bislang noch nicht da ist, kommt auch eine meiner Bezugserzieherinnen Meri, Lena oder Luisa dazu. Gemeinsam mit den anderen Kindern der Gruppe gehen wir in den Gruppenraum, um den Tag mit einem Frühstück zu starten. Hierzu holen wir gemeinsam den Wagen in den Gruppenraum und bringen ihn zum Tisch. Wir setzen uns und bekommen unsere Becher, gefüllt mit Tee, Wasser oder beidem – das bestimmen wir nämlich, genau wie das, was wir frühstücken wollen, selbst. Für das Frühstück lassen wir uns gern Zeit. Ich genieße das gemeinsame Essen mit meiner Gruppe. Wenn ich fertig bin, möchte ich mein Geschirr selbst abräumen und auf den Wagen stellen – den Becher stelle ich auf das Regal. Oft möchte ich die Kinder aus der Gruppe unterstützen und stelle auch ihre Sachen weg… das finden sie teilweise nicht so gut, woraufhin Meri, Lena oder Luisa mir erklären, dass auch die anderen ihre Becher eigenständig wegstellen möchten, so wie ich. Sie bitten mich, mir die Hände zu waschen. Also gehen wir in den Waschraum. Hier wasche ich meine Hände und meinen Mund und spiele mit dem Wasser – das macht mir besonders viel Spaß – vor allem, wenn es meinen Erzieherinnen nicht direkt auffällt. Dann erinnern sie mich jedoch an das Abtrocknen, also mache ich das Wasser aus und gehe zu meinem Handtuch.. das erkenne ich mit Hilfe eines Symbols, welches Mama nur für mich ausgesucht hat. Wenn ich Lust habe, helfe ich danach bei Abwischen des Tisches, heute möchte ich aber spielen!
Meine Lieblingsbeschäftigung seit ein paar Wochen ist es, einen Zug oder Bus zu bauen. Das mache ich aber nicht allein, sondern mit den Kindern meiner Gruppe. Oft fangen Meri und Lena auf Englisch und Luisa auf Deutsch an, das Lied mit den Rädern vom Bus zu singen. Das Lied habe ich jetzt schon so oft gesehen und gehört, dass es mir leichtfällt, per Gestik mit einzustimmen.
Wie fast jeden Morgen öffnen wir die Tür zu den türkisen Wölkchen. Das gefällt mir! Denn ich kann mir nun aussuche, in welchem Raum ich mich beschäftigen möchte. Auch der Kontakt zu den Kindern und Erziehern tut mir gut.
Nach einiger Zeit höre ich eine mir sehr bekannte Melodie.. „1, 2, 3, die Spielzeit ist vorbei“. Zum Glück helfen alle – insbesondere die Erzieher – mit, denn manchmal habe ich noch keine Lust die Spielsachen wegzuräumen…
Neuerdings haben wir in unserem Alltag eine neue Routine, die sich wohl „Morgenkreis“ nennt. Ich habe schnell verstanden, dass ich mir eine der Matten holen und daran teilnehmen kann. Besonders freue ich mich auf das Begrüßungslied, bei dem ich stampfen, klatschen und alle Kinder und Erzieherinnen begrüßen kann. Lena bringt uns durch das Anschauen verschiedener Bücher oder durch Fingerspiele neuen Input mit. Dass sie eine andere Sprache spricht, fasziniert mich – ich verstehe es sogar teilweise schon.. verrückt, oder?
Im Morgenkreis erzählen uns Meri/ Lena und Luisa, was wir heute machen, singen Lieder mit uns oder wir spielen „den Zwerg“. Obwohl der Mit-Mach-Spruch 3 Absätze hat, bereitet er mir viel Freude und ich möchte ihn aus diesem Grund noch einmal wiederholen.
Nachdem wir den Morgenkreis beendet haben und die Matten weggeräumt sind, gehen wir heute in den Sportraum, der direkt an unseren Gruppenraum angrenzt.
Hier kann ich mich austoben, rennen, klettern oder mit den Bällen spielen. Besonders gut gefällt mir das Rutschen oder das Kriechen durch den Tunnel. Hier kann ich lang verweilen, am liebsten den ganzen Tag.
Nach einiger Zeit höre ich wieder die mir bekannte Melodie „1,2,3, die Spielzeit ist vorbei“ Wie Schade!
Nachdem wir gemeinsam aufgeräumt haben, gehen wir zurück in den Gruppenraum, denn das Hände waschen und Wickeln steht bevor. Ich schaffe es schon wirklich gut auf den Wickeltisch mit Hilfe der Treppe zu gehen. Wenn ich eine saubere Windel bekommen habe, wasche ich mir meine Hände – trockne sie ab – und gehe in den Raum, wo die Kinder bereits mit Büchern am Tisch sitzen und warten, bis nun auch sie an der Reihe sind. Der nächste bitte!
Meine Erzieherin steht gerade auf und möchte die Matten aus den Bettkästen holen.. Hey! Warte auf mich, ich möchte doch helfen! Die Bettkästen hervorzuziehen ist wirklich nicht einfach aber gemeinsam schaffen wir es. Als wir alle Matten hervorgeholt und an ihre Stelle gelegt haben, holen die Kinder und ich unsere Schlafsachen aus dem Schrank. Ich weiß genau in welchem Fach ich sie finde, denn auch hier sehe ich mein Zeichen. Ich nehme sie und packe die Sachen auf meine Matte. Dann hören wir aus dem Sportraum unseren Wagen mit dem Essen. Diesen holen wir rein und schieben ihn zum Tisch. Ich hole mir schnell meinen Becher vom Regal und suche mir einen Platz.
Meri/ Lena und Luisa sagen uns, was es heute zum Mittagessen gibt, machen uns die Lätzchen um und ich gebe ihnen zu verstehen, was ich essen möchte und was nicht, als ich gefragt werde. Wenn alle Kinder etwas auf den Tellern haben, kommen die vielen kleinen Fische zu Tische – das macht Spaß und alle machen mit. Dann wird gegessen. Ich schaffe es bereits ohne Unterstützung mit dem Löffel zu essen. Manchmal geht zwar noch etwas daneben oder ich möchte die Konsistenz des Essens einmal genau mit den Fingern untersuchen, aber das ist nicht schlimm. Ich bin einfach neugierig!
Nach dem Essen möchte ich am liebsten allein die Reste von meinem Teller kratzen.
Da teilweise noch etwas neben geht, bekomme ich Unterstützung. Jetzt gehe ich mir meine Hände waschen und flitze auf meine Matte. So langsam beginne ich damit, mich allein umzuziehen. Das dauert einen Moment, aber ich finde immer mehr Freude daran. Der Raum wird verdunkelt und ich komme zur Ruhe. Meri/ Lena oder Luisa fängt an zu singen und ich kann in den Schlaf finden. Manchmal schlafe ich sogar bis zu zwei Stunden.
Wenn ich wach werde, freue ich mich darüber meine Erzieherinnen zu sehen – dafür gibt es erstmal eine Umarmung! Ich bekomme im Bad eine saubere Windel und mir wird beim Umziehen geholfen. Danach räume ich meine Schlafsachen zurück in den Schrank und helfe dabei, die Matten wegzuräumen. Danach suche ich mir kurz etwas zu spielen, bis auch die anderen Kinder fertig sind.
Dann wird auch schon die Vesper auf dem Wagen in den Raum geschoben. Meistens möchte ich mitessen, manchmal möchte ich jedoch auch einfach weiterspielen, weil ich noch so satt vom Mittag bin.
Ich muss nach der Vesper gar nicht lange warten, da werde ich schon von Mama/ Papa/ Oma/Opa oder meiner Tante abgeholt – juhu!
Ich verabschiede mich von allen und freue mich auf den Nachmittag und natürlich auf den kommenden Tag im Kinderhaus Wölkchen.